Was ist Cosplay? Bedeutung, Cosplayer und Ursprung

Veröffentlicht am: · Aktualisiert am: · Equipo OtakuOshi

Was ist Cosplay? Kurz gesagt: die Kunst, sich als fiktive Figur zu verkleiden und sie auch zu verkörpern, meistens aus Anime, Manga, Videospielen, Comics oder Filmen. Die lange Antwort ist deutlich spannender, denn hinter einer sauber gestylten Perücke stecken Nähen, Propbau, Make-up, Fotografie, ein bisschen Schauspiel und eine Community, die seit Jahrzehnten auf Conventions rund um die Welt wächst.

In diesem Guide schauen wir uns an, woher das Wort kommt, was ein Cosplayer eigentlich macht, wie das Hobby entstanden ist (kleiner Spoiler: nicht in Japan) und welche Arten von Cosplay es gibt. Am Ende bekommst du einen einfachen Fahrplan für dein erstes Kostüm, ohne dass du gleich ein Vermögen ausgibst oder beim ersten Versuch die Lust verlierst.

Was ist Cosplay und was bedeutet das Wort?

„Cosplay“ ist ein in Japan erfundenes Kunstwort aus zwei englischen Begriffen: costume (Kostüm) und play (spielen, darstellen). Im Japanischen werden Fremdwörter gern gekürzt und neu zusammengesetzt, und so wurde aus costume play コスプレ, gesprochen kosupure. Von dort wanderte es als cosplay zurück ins Englische und schließlich unverändert ins Deutsche.

Wenn man die Cosplay-Bedeutung in einem Satz zusammenfassen will, dann etwa so: „eine Figur über ihr Kostüm spielen“. Der Teil mit dem Spielen ist wichtig. Es reicht nicht, die Klamotten anzuziehen, man schlüpft in die Rolle: typische Posen, Gesten, Mimik und bei Wettbewerben sogar kleine Bühnenauftritte.

Ist Cosplay dasselbe wie ein Faschingskostüm?

Ähnlich, aber nicht gleich. Ein Kostüm für Karneval, Fasching oder Halloween ist meist generisch (Pirat, Hexe, Vampir) und wird für einen Abend gekauft oder improvisiert. Beim Cosplay geht es um eine ganz bestimmte Figur mit Namen und Geschichte, und der Reiz liegt darin, sie möglichst originalgetreu nachzubauen oder bewusst neu zu interpretieren. Viele arbeiten wochen- oder monatelang an einem Kostüm. Auch der Rahmen ist ein anderer: Conventions, Fotoshootings, Wettbewerbe und Social Media statt Rosenmontagszug.

Trotzdem: Einen Ausweis für „echte Cosplayer“ gibt es nicht. Wer sich ein fertiges Kostüm kauft und es mit Begeisterung auf der Con trägt, macht genauso Cosplay. Die Grenzen sind fließender, als manche Puristen behaupten.

Was ist ein Cosplayer?

Ein Cosplayer oder eine Cosplayerin ist schlicht jemand, der Cosplay betreibt. Wer damit Geld verdienen will, findet mehr dazu bei unseren Cosplay-Models. In Japan nannte man sie lange reiyā („Layer“, kurz für Cosplayer). Heute hört man das seltener, üblicher sind kosupureyā oder einfach Cosplayer.

Und wer sind diese Leute? Ganz unterschiedliche Typen. Für die einen ist es ein Wochenendhobby, andere machen einen Beruf daraus, mit Auftragsarbeiten, Workshops, verkauften Schnittmustern oder Inhalten für ihre Fans. Dazwischen gibt es alle, die nur fotografieren, nur an Wettbewerben teilnehmen oder einfach mit Freunden auf die Con gehen, um eine gute Zeit zu haben.

Was Cosplayer oft gemeinsam haben

Eine Schablone gibt es nicht, aber einige Eigenschaften tauchen in der Szene immer wieder auf:

  • Fans eines bestimmten Werks. Am Anfang steht fast immer die Liebe zu einer Figur: Was du magst, willst du auch tragen.
  • Bastelprofis aus der Not heraus. Früher oder später wird genäht, geschliffen, lackiert oder EVA-Schaum mit dem Heißluftföhn in Form gebracht. Das lernt man unterwegs.
  • Blick fürs Detail. Der exakte Farbton einer Perücke, die Form einer Brosche, wie ein Umhang fällt. Referenzbilder werden mit der Lupe studiert.
  • Darstellung. Viele üben Posen und Gesichtsausdrücke ihrer Figur, vor allem für Fotos oder Bühnenauftritte.
  • Community. Schnittmuster, Tricks, Fehlschläge und Materialtipps werden geteilt. Das Hobby lebt vom Austausch, und Gruppencosplays, bei denen eine ganze Besetzung derselben Serie auftaucht, gehören zum Schönsten, was es zu bieten hat.

Und weil man es nicht oft genug sagen kann: Cosplayer gibt es in jedem Alter, mit jedem Körper, jedem Geschlecht und jeder Herkunft. Du musst deiner Figur nicht „ähnlich sehen“, um sie zu cosplayen.

Cosplayer frisiert eine silberne Perücke auf einem Styroporkopf am Arbeitstisch, umgeben von Schnittmustern und Stoffen

Woher kommt Cosplay? Von den USA nach Japan

Das Wort ist japanisch, aber der Brauch, sich auf Fan-Conventions als Figur zu verkleiden, entstand in den USA, in der Science-Fiction-Szene. Die Geschichte lässt sich am besten in Etappen erzählen.

1939: die „Futuristicostumes“ in New York

Als Startpunkt gilt meist die erste World Science Fiction Convention (Worldcon) 1939 in New York. Dort tauchten der Fan Forrest J Ackerman und Myrtle R. Douglas, im Fandom als Morojo bekannt, in futuristischen Outfits auf. Morojo hatte beide entworfen und genäht und nannte sie futuristicostumes. Danach wurden Kostümwettbewerbe, die sogenannten Masquerades, zum festen Programmpunkt amerikanischer Conventions. Die San Diego Comic-Con veranstaltete ihre erste Masquerade zum Beispiel 1974.

Die 70er und 80er in Japan

Auch in Japan begannen Science-Fiction- und Manga-Fans, sich bei ihren Treffen zu verkleiden. 1978 erschien Mari Kotani auf der Convention Ashinocon in Hakone in einem Kostüm nach dem Cover eines Romans von Edgar Rice Burroughs. Das gilt als erstes dokumentiertes Kostüm auf einem japanischen Fan-Event. Ab 1980 gehörten Kostümwettbewerbe fest zu den Nihon SF Taikai, den landesweiten Science-Fiction-Conventions. Parallel wuchs seit Dezember 1975 die Comiket, der riesige Markt für selbstverlegte Comics in Tokio, die mit den Jahren zu einer der wichtigsten Bühnen für Cosplay wurde.

Nobuyuki Takahashi gibt dem Hobby einen Namen

Geprägt hat das Wort Nobuyuki Takahashi vom Studio und Verlag Studio Hard, und zwar in einem Artikel für das japanische Magazin My Anime vom Juni 1983. Er suchte einen neuen Begriff, weil ihm die japanische Übersetzung von masquerade zu altmodisch und zu hochtrabend klang. Auf vielen Seiten liest du, er habe das Wort nach einem Besuch der Worldcon 1984 in Los Angeles erfunden. Diese Version ist weit verbreitet, aber die Verwendung des Begriffs schon 1983 widerlegt sie. Richtig ist, dass es ein paar Jahre dauerte, bis sich das Wort unter Fans durchsetzte.

Ab da entwickelte sich japanisches Cosplay zu einem eigenen Phänomen, eng verbunden mit Anime, Manga und der Otaku-Kultur. In den Neunzigern und Nullerjahren kam es dank Internet, Anime-Conventions und dem Anime-Boom außerhalb Japans mit Wucht in den Westen zurück, auch nach Deutschland.

Vom lokalen Hobby zur Weltmeisterschaft

Wie groß die Szene geworden ist, zeigt der World Cosplay Summit. Er startete 2003 in Nagoya mit gerade einmal fünf eingeladenen Cosplayern und richtet seit 2005 eine Meisterschaft für Zweierteams aus verschiedenen Ländern aus. Bei der Sommerausgabe 2026 traten Teams aus 40 Ländern und Regionen an, gewonnen hat Hongkong. Das deutsche Team wird seit 2005 im Vorentscheid auf der Connichi bestimmt, die der Verein Animexx veranstaltet und die seit 2023 in Wiesbaden stattfindet. Deutschland holte den Titel 2021. Laut Veranstalter wandert das Finale ab 2027 in den Herbst (geplant ist November 2027), schau also für aktuelle Termine auf die offizielle Website des World Cosplay Summit.

Welche Arten von Cosplay gibt es?

Jetzt, wo klar ist, was Cosplay grundsätzlich ist, geht es um die Stilrichtungen. Eine offizielle Einteilung gibt es nicht, aber diese Begriffe fallen in der Community ständig, und viele lassen sich kombinieren.

Originalgetreues Cosplay („Canon“)

Die bekannteste Variante: die Figur genau so darstellen, wie sie im Original aussieht, mit Kleidung, Frisur, Accessoires und Farben. Die Herausforderung ist hier die Präzision. Wer bei großen Wettbewerben antritt, geht meist diesen Weg, oft mit komplett selbst gebauten Kostümen und Props.

Crossplay

Du stellst eine Figur des anderen Geschlechts dar und behältst dabei ihr Originaldesign bei. Etwa eine Frau als Anime-Samurai oder ein Mann als Magical Girl. Weil Manga und Anime so viele androgyne Figuren haben, ist Crossplay dort völlig normal.

Genderbend

Wird oft mit Crossplay verwechselt. Beim Genderbend erfindest du die Figur mit anderem Geschlecht neu: eine weibliche Version eines männlichen Charakters oder umgekehrt, mit angepasstem Outfit. Das ist kreativer und lässt viel Raum für eigenes Design.

Casual Cosplay oder „Closet Cosplay“

Der ideale Einstieg. Du deutest die Figur mit Kleidung an, die du schon hast oder in jedem Laden findest: eine Jacke in der richtigen Farbe, eine passende Hose, ein markantes Accessoire. Es soll nicht exakt sein, sondern erkennbar und bequem.

Weitere Begriffe, die dir begegnen werden

  • Mashup oder Crossover: zwei Figuren oder Werke in einem Design vereint.
  • Alternative Versionen: die Figur in einer anderen Epoche, als Schülerin, im Steampunk- oder im Cyberpunk-Look.
  • OC (Original Character): eine selbst entworfene Figur. Manche Wettbewerbe lassen OCs nicht zu, lies also vorher die Regeln.
  • Rüstungen und große Props: keine eigene Kategorie im engeren Sinn, aber viele spezialisieren sich auf Rüstungen, Requisitenwaffen und Teile aus dem 3D-Drucker.

Wenn dich die Werkstatt mehr reizt als die Bühne, schau dir an, wie Propbauer und Requisiten-Creator ihren Arbeitsprozess zeigen.

Gruppe erwachsener Cosplayer mit verschiedenen Cosplay-Arten: Rüstung, Casual, Crossplay und Steampunk-Version

Mit Cosplay anfangen: so klappt dein erstes Kostüm

Das Schöne an diesem Hobby: Du musst weder nähen können noch eine Werkstatt haben, um loszulegen. Was hilft, ist Schritt für Schritt vorzugehen und das erste Projekt klug auszuwählen.

  1. Such dir eine Figur aus, die du wirklich magst. Du wirst viele Stunden mit ihr verbringen. Für den Anfang eignen sich Figuren mit schlichter Kleidung und wenigen Accessoires: Schuluniformen, Alltagsoutfits, einfarbige Anzüge.
  2. Sammle Referenzen. Screenshots von vorne, von der Seite und von hinten, dazu offizielle Illustrationen, wenn es welche gibt. Achte darauf, was die Figur ausmacht: Oft sind es die Frisur und ein, zwei Accessoires.
  3. Entscheide, was du kaufst und was du baust. Du musst nicht alles selbst machen. Sehr verbreitet ist, Perücke und Grundoutfit zu kaufen und die Details selbst zu bauen. Wenn du an einem Wettbewerb teilnehmen willst, lies vorher die Regeln, denn manche verlangen ein selbst gefertigtes Kostüm.
  4. Übe mit günstigem Material. EVA-Schaum, Moosgummi, Pappe und Second-Hand-Stoffe aus dem Sozialkaufhaus oder von Kleinanzeigen sind ideal zum Ausprobieren, ohne dass etwas Teures kaputtgeht. Arbeite immer in einem gut belüfteten Raum, trag beim Schleifen und Sprühlackieren eine Maske und geh vorsichtig mit Heißluftföhn und Cutter um.
  5. Kümmere dich um Perücke und Make-up. Eine gut gestylte Perücke hebt jedes Kostüm auf ein anderes Level. Teste neue Make-up-Produkte zuerst an einer kleinen Hautstelle und teile keine Augenprodukte. Farbige Kontaktlinsen sind ein eigenes Thema: Wenn sie dich interessieren, lass dich von Optiker oder Augenärztin beraten und nutz nur legal verkaufte Linsen, niemals geliehene.
  6. Lies die Regeln der Convention. Viele Cons haben eine eigene Waffenregelung und kontrollieren Props am Eingang. Metallwaffen und täuschend echte Nachbildungen sind häufig tabu, auf der Bühne oft auch Feuer, Rauch und Laser. Was genau gilt, steht in der Hausordnung oder den Wettbewerbsregeln des jeweiligen Events.
  7. Trag es aus und hab Spaß. Pack ein kleines Notfallset ein (Sicherheitsnadeln, doppelseitiges Klebeband, Kleber) und genug Wasser. Dein erstes Kostüm muss nicht perfekt sein. Es zeigt dir, was du beim nächsten anders machen würdest.

Wenn du komplette Arbeitsprozesse sehen willst: Im Bereich Making-of, Tutorials und Vorlagen zeigen Creator, wie sie jedes Teil umsetzen, und auf der Cosplay-Seite von OtakuOshi findest du fertige Arbeiten als Inspiration.

Wo du dein erstes Cosplay ausführen kannst

Anime- und Comic-Conventions sind der natürliche Ort dafür. In Deutschland gehört die Connichi in Wiesbaden zu den großen Anime-Conventions, mit Cosplay-Wettbewerben und dem deutschen Vorentscheid für den World Cosplay Summit. Daneben gibt es in vielen Regionen kleinere Cons und Cosplay-Treffen, die für den Einstieg oft entspannter sind als die großen Messen. Termine ändern sich jedes Jahr. Check also immer die Website oder die offiziellen Kanäle des Events, bevor du planst.

Eine Umgangsregel, die du vom ersten Tag an kennen solltest: Frag, bevor du jemanden fotografierst, und fass niemanden und kein Kostüm an, ohne vorher zu fragen. 2014 hängte die New York Comic Con überall Schilder mit dem Slogan „Cosplay Is Not Consent“ („Cosplay ist keine Einwilligung“) auf, und die Idee hat sich auf viele Conventions ausgebreitet.

Häufig gestellte Fragen

Was ist Cosplay auf Deutsch?

Eine gängige deutsche Übersetzung gibt es nicht, man sagt einfach „Cosplay“. In einer Zeile erklärt: eine fiktive Figur über ihr Kostüm darstellen. Das Wort kommt vom japanischen kosupure, das wiederum die englischen Begriffe costume und play verbindet.

Wer hat Cosplay erfunden?

Die Praxis begann auf Science-Fiction-Conventions in den USA, das bekannteste Beispiel sind Forrest J Ackerman und Morojo auf der Worldcon 1939. Das Wort erfand der Japaner Nobuyuki Takahashi 1983 im Magazin My Anime.

Heißt es Cosplayer oder Cosplayerin?

Beides ist üblich. „Cosplayer“ wird oft für alle Geschlechter verwendet, „Cosplayerin“ für Frauen. Manche betreiben Cosplay als Hobby, andere professionell mit Auftragsarbeiten, Fotoshootings oder Inhalten für ihre Fans.

Muss man nähen können, um Cosplay zu machen?

Nein. Du kannst mit einem Casual Cosplay aus deinem Kleiderschrank starten oder fertige Teile kaufen und umbauen. Nähen, EVA-Schaum formen oder Lackieren lernst du mit der Zeit, und in der Community gibt es unzählige Tutorials.

Was kostet ein Cosplay?

Das hängt stark von der Figur ab und davon, wie viel du selbst baust. Ein Closet Cosplay kostet fast nichts, wenn du vorhandene Kleidung nutzt, während eine komplette Rüstung oder ein aufwendiges Kleid Monate Arbeit und einiges an Materialkosten bedeuten kann. Am vernünftigsten ist es, mit etwas Einfachem zu beginnen und das Budget festzulegen, bevor du einkaufst.

Gibt es Cosplay nur für Anime-Figuren?

Nein. Anime und Manga haben einen riesigen Anteil, besonders auf Anime-Conventions, aber gecosplayt werden auch Videospiele, Superhelden-Comics, Filme, Serien, Bücher und sogar Werbemaskottchen oder historische Figuren aus Romanen und Filmen.

Zeig dein Cosplay auf OtakuOshi

Jetzt weißt du, was Cosplay ist. Wenn du sehen willst, wie andere das Hobby leben: Auf OtakuOshi teilen Cosplayer, Propbauer und Artists ihre Kostüme, ihre Arbeitsprozesse und ihre Werke mit ihren Fans. Du kannst dich kostenlos bei OtakuOshi registrieren, um den Creatorinnen und Creatorn zu folgen, die du magst, und sie direkt zu unterstützen, oder ein eigenes Profil anlegen, sobald du deine Fortschritte zeigen willst, vom ersten Schnittmuster bis zum fertigen Foto.

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